Leben & Auswandern · Unser Neuanfang
Unser Neuanfang auf La Réunion

Stand: 4. September 2026
Ein schönes Leben, das zu viel geworden war
Sylvia hatte bereits mehrere Jahre im Ausland gelebt, unter anderem in Frankreich und England. Auch ich war während meines Studiums und danach immer wieder einige Monate auf Reisen gegangen. Wir beide waren und sind Abenteurer. Uns verbinden zum Beispiel die Liebe zu Indien und zur indischen Kultur, Yoga und das Eintauchen in zunächst fremde Kulturen.
Unsere Familie gründeten wir in Deutschland. Fast zehn Jahre lang lebten wir in einer herrlichen Gegend in Mittelfranken, sanierten eine denkmalgeschützte Villa und bauten ein eigenes Yoga-Haus. Sylvias Yogastudio war sehr gut besucht, und auch meine Selbstständigkeit lief gut.
Doch dieses Leben nahm uns fast vollständig in Anspruch. Unser 4.500 Quadratmeter großes Grundstück, das Haus und der Garten sowie unsere beiden Selbstständigkeiten ließen kaum Zeit für Familie, Freunde oder Reisen. Sylvia gab zeitweise 14 Yogakurse pro Woche, und auch ich war fast immer für meine Kunden erreichbar.
Irgendwann stellten wir uns deshalb die Frage: Wie lange wollen und können wir dieses große Rad noch weiterdrehen – und was kommt danach?
Warum wir mit den Kindern gehen wollten
Wir wollten unseren Kindern echte Auslandserfahrungen ermöglichen, sie über den Tellerrand blicken lassen und ihnen damit auch für die Zukunft mehr Perspektiven eröffnen. Dafür mussten wir zu einem Zeitpunkt gehen, an dem sie noch jung genug waren, eine neue Sprache zu lernen, Freunde zu finden und in einem anderen Land wirklich anzukommen.
Unser Ziel war nicht, lediglich als deutsche Familie im Ausland zu leben. Wir wollten uns integrieren und unseren Kindern dieselbe Möglichkeit geben. Später, mit festen Freundschaften und noch stärkeren Bindungen in Deutschland, wäre dieser Schritt vermutlich sehr viel schwieriger geworden, wenn nicht gar unmöglich. Daher kam der Punkt, an dem wir sagten: Jetzt oder nie.
Warum La Réunion?
Wir beschäftigten uns mit verschiedenen Ländern. Der Norden Europas war uns zu kalt und im Winter zu dunkel. Wichtig war außerdem, dass zumindest einer von uns die Landessprache bereits beherrschte. So kamen wir schließlich auf Frankreich, seine Überseegebiete und La Réunion.
2022 reiste Sylvia zunächst allein für etwa zwei Wochen auf die Insel. Danach sagte sie zu mir: „Frank, das könnte etwas für uns sein. Dir würde es hier sehr gut gefallen.“
Im Sommer 2023 verbrachten wir dann gemeinsam mit den Kindern mehrere Wochen auf La Réunion. Wir wohnten nacheinander an verschiedenen Orten und blieben dort jeweils eine Weile. Wir wollten nicht nur die Sehenswürdigkeiten besuchen, sondern einen ersten Eindruck vom täglichen Leben bekommen, denn der Alltag sieht immer anders aus, als es der Blick durch die Touristenbrille vermuten lässt.
Besonders gut gefiel uns La Montagne: nahe an Saint-Denis, aber trotzdem ruhig und durch die Höhenlage etwas kühler. Im August 2024 wanderten wir schließlich nach La Réunion aus.
Ankommen, Sprache und Integration
Von Anfang an wurden wir von unseren Nachbarn und anderen Menschen sehr freundlich aufgenommen. Unsere Kinder kamen ohne Französischkenntnisse auf die Insel, erhielten intensiven Sprachunterricht und fanden vergleichsweise schnell in den Schulalltag.
Sylvia sprach bereits sehr gut Französisch und benötigte keine Unterstützung. Ich hingegen hatte bei unserer Ankunft meine Französischkenntnisse aus der Schulzeit fast vollständig vergessen. Im Übrigen mochte ich die Sprache als Kind nicht besonders. Als EU-Bürger war ich nicht verpflichtet, einen Sprachkurs zu besuchen. Mir wurde die Teilnahme aber dringend empfohlen. Dabei wurde uns ausdrücklich gesagt: Wenn sich die Eltern nicht integrieren und die Sprache nicht sprechen, wird auch die Integration der Kinder erheblich schwieriger. Und es ist ja auch mein eigener Wunsch, mich adäquat ausdrücken zu können und möglichst alles zu verstehen.
Deshalb besuchte ich zweimal wöchentlich einen jeweils dreistündigen A2-Kurs und bestand anschließend die Prüfung. Inzwischen bereite ich mich erneut mit staatlicher Unterstützung im Rahmen des OEPRE-Programms auf das B1-Niveau vor.
Für viele Menschen aus Staaten außerhalb der EU sind vorgeschriebene Integrationskurse und Sprachnachweise keine freiwillige Empfehlung. Seit 2026 müssen sie für eine erste mehrjährige Aufenthaltserlaubnis grundsätzlich Französischkenntnisse auf A2-Niveau und das Bestehen eines staatsbürgerlichen Examens nachweisen. Für eine dauerhafte Aufenthaltskarte gilt grundsätzlich das Sprachniveau B1. Abhängig von Alter, Aufenthaltsstatus und persönlicher Situation gibt es Ausnahmen.
Das ist für mich dennoch eine grundsätzlich andere Vorgehensweise als der Weg, den Deutschland geht. Natürlich gibt es auch dort Sprach- und Integrationsanforderungen. Ich habe aber nicht erlebt, dass die sprachliche Integration der gesamten Familie von Anfang an so klar eingefordert und gleichzeitig so intensiv unterstützt wird.
Auch unser organisatorischer Start verlief insgesamt problemlos. Bereits wenige Tage nach unserer Ankunft konnten wir unsere selbstständigen Tätigkeiten anmelden.
Wie sich Schule, Arbeit, Freundschaften, Lebenshaltungskosten und der Alltag auf La Réunion tatsächlich gestalten, erzählen wir ausführlicher in unseren Videos.