Haus & Immobilien · Haussuche
Unsere Haussuche auf La Réunion

Stand: 3. September 2026
Ein Haus für Familie, Arbeit und Yoga
Als wir auf La Réunion nach einem Haus suchten, brauchten wir mehr als vier Wände und genügend Schlafzimmer. Wir suchten einen Ort, der zu unserem gesamten neuen Leben passen sollte: Platz für uns als vierköpfige Familie, ein eigenes Büro für Frank und auch einen Arbeitsbereich für Sylvia. Zu diesem Zeitpunkt gingen wir allerdings noch davon aus, dass Sylvia ihre Yogakurse in angemieteten Räumen anbieten würde.
Auch die Lage war für uns entscheidend. Wir wollten möglichst oberhalb von Saint-Denis bleiben, weil wir die Gegend bereits kannten. In und um Saint-Denis finden wir alles, was wir im Alltag brauchen. Gleichzeitig lebt man in La Montagne und den angrenzenden Höhenlagen ruhiger und je nach Standort einige Hundert Meter über dem Meer.
Unser heutiges Haus liegt auf etwa 350 Metern Höhe. Für uns ist das klimatisch ideal: Hier ist es spürbar kühler als unmittelbar an der Küste, allerdings ist es häufig auch windiger. Saint-Denis erreichen wir je nach Verkehr in ungefähr 15 bis 20 Minuten. Auch das Schulangebot spielte bei unserer Standortwahl eine wichtige Rolle: In La Montagne gibt es eine École élémentaire und ein Collège, in Saint-Denis zudem mehrere Lycées.
Warum wir nicht in den Westen oder Osten wollten
Der Westen ist wegen seiner Strände und des trockeneren Klimas beliebt. Für uns sprachen jedoch die hohen Immobilienpreise und die große Hitze im Sommer dagegen. Außerdem empfanden wir manche Orte dort als stärker touristisch und von wohlhabenden Zugezogenen aus dem französischen Mutterland geprägt. Wir wollten nicht in einer touristischen Blase leben, sondern einen Standort mit guter Anbindung an den normalen Alltag auf der Insel.
Der Osten ist grüner und tropischer, aber auch deutlich feuchter und regenreicher. Weil sich das gebirgige Inselinnere nicht einfach mit dem Auto durchqueren lässt, wären uns von dort aus die Wege zu den Badestränden im Westen zu weit gewesen.
Von La Montagne aus benötigen wir ungefähr 40 Minuten bis zu den Badestränden im Westen. Auch den Süden rund um Saint-Pierre sahen wir uns an. Dort gefiel uns vieles, manche Lagen sind jedoch sehr windig. Am Ende blieb die Gegend oberhalb von Saint-Denis für unsere familiären, beruflichen und klimatischen Bedürfnisse die beste Wahl.
Teure Lage, sehr unterschiedliche Häuser
La Montagne gehört zu den begehrten Wohnlagen rund um Saint-Denis. Entsprechend hoch sind Kaufpreise und Mieten.
Wir hatten den Immobilienmarkt schon von Deutschland aus längere Zeit beobachtet. Während eines Urlaubs, ein Jahr vor unserer Auswanderung im August 2024, besichtigten wir die ersten Häuser. Als wir nach unserer Ankunft mit Nachdruck nach einem neuen Heim suchten, sahen wir uns viele weitere Objekte an, auch in Saint-Denis und in den Höhenlagen der Westküste. So entwickelten wir nach und nach ein Gefühl für Preise, Lagen und typische Probleme.
Die Unterschiede waren enorm. Wir sahen ältere Holzhäuser mit Feuchtigkeit, Schimmel oder Termitenschäden. Andere Häuser waren innen großzügig und repräsentativ gestaltet, hatten aber offene Galerien und erstaunlich wenige abgeschlossene Zimmer. Für eine Familie, zwei Arbeitsbereiche und Yoga waren sie damit trotz großer Gesamtfläche unpraktisch.
Auch die Bauweise muss man sich genau ansehen. Manche älteren Häuser bestehen weitgehend aus Beton und können in den kühleren Höhenlagen innen unangenehm kühl und feucht wirken. Sichtbar in Kunststoffkanälen verlegte elektrische Leitungen sind ebenfalls nicht ungewöhnlich. Das muss nicht automatisch ein Mangel sein, unterscheidet sich aber deutlich von dem, was viele Käufer aus Deutschland erwarten.
Zwei Häuser in der engeren Wahl
Ein gepflegtes Haus in La Montagne mit ungefähr 1.000 Quadratmetern Grundstück und rund 200 Quadratmetern Wohnfläche bot nach unserer Einschätzung ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Mit Umbauten, neuen Fenstertüren und einer einzuziehenden Wand hätte sich ein zusätzlicher Raum schaffen lassen. Am Pool wäre außerdem eine größere Fläche für Yoga denkbar gewesen, allerdings unverschattet und wegen des Pools nicht wirklich geeignet. Die jährliche Grundsteuer (taxe foncière) sollte allerdings rund 5.200 Euro betragen. Bei der Höhe der Grundsteuer gibt es große Unterschiede, deren Berechnung sich mir trotz der gesetzlichen Grundlagen bisher nicht vollständig erschlossen hat. Aber das zeigt, dass nicht nur Kaufpreis und Renovierungskosten zählen, sondern auch die dauerhaft anfallenden Kosten.
Dann sahen wir ein weiteres sehr großes Anwesen. Es bot viel, war für uns aber zu groß und im Detail nicht überzeugend. Wir hätten sehr viel Fläche bezahlt, die wir gar nicht benötigten.
Denn entscheidend ist, ob Grundriss, Atmosphäre und Entwicklungsmöglichkeiten zum eigenen Leben passen – und ob der Kauf einschließlich der laufenden Kosten finanziell vernünftig bleibt. Für uns kam es nicht infrage, alles, was wir haben, in ein Haus zu stecken oder wie bei einem Haus in dieser Preisklasse noch neue Schulden aufzunehmen, die wir zu Lebzeiten nicht mehr zurückzahlen könnten. Auch nach dem Kauf sollte genügend finanzieller Spielraum für das Leben, notwendige Arbeiten und unvorhergesehene Ausgaben bleiben.
Dann kam unser heutiges Haus
Als unser heutiges Haus ins Spiel kam, nahmen wir von den bisherigen Favoriten Abstand. Das Haus war günstiger und hatte für uns vom ersten Moment an eine tolle Atmosphäre. Als wir zum ersten Mal auf der Terrasse standen, war dieser Wow-Effekt sofort da. Und zusätzlich bot es uns viele Entwicklungsmöglichkeiten.
Zum Grundstück gehört eine ehemalige Doppelgarage, die zu zwei Bungalows umgebaut worden war. Zunächst planten wir dort ein Büro und im Haupthaus einen Bereich für Massagen und Yogastunden. Diese Lösung erschien uns allerdings von vornherein nicht ideal, weil es ohne weitere Umbauten keine klare Trennung vom privaten Wohnbereich gegeben hätte.
Die Suche nach externen Yogaräumen erwies sich zudem weiterhin als schwierig. Die Erfahrungen des vergangenen Jahres hatten gezeigt, dass von Vereinen verwaltete Räume häufig bereits vergeben oder für weitere Yogalehrer nicht zugänglich waren. Private Räume waren teuer oder nur zu ungünstigen Zeiten verfügbar. Damit änderte sich unser Plan: Frank richtete sein Büro im Haupthaus ein. Aus einer Hälfte der früheren Bungalows ist ein rund 50 Quadratmeter großer Yogaraum geworden. In der anderen Hälfte befindet sich heute der Massagebereich mit Bad, Abstellraum und Ruhebereich.
Warum dieses Haus zu uns passte
Wir entschieden uns nicht für ein perfektes Haus. Wir entschieden uns für ein Grundstück, eine Lage und ein Potenzial, die zu unseren Plänen passten: genügend Raum für die Familie, ein Büro im Haupthaus, ein eigenes Yogastudio und einen Garten mit altem Baumbestand sowie einer versteckten Cabane, die wir noch ertüchtigen werden. Sie ist ein herrliches Plätzchen mit atemberaubendem Blick inmitten hoher Bäume und verfügt über einen Schlafraum, eine kleine Veranda, Dusche und Toilette.
Heute wissen wir, dass wir beim Ablauf des Kaufs ein vermeidbares Risiko eingegangen sind. Das Haupthaus konnten wir direkt beziehen, und die Entscheidung für das Anwesen war für uns richtig. Ungünstig war allein, dass wir mit dem geplanten Umbau des Bungalows begannen, bevor die vertraglichen Fragen abschließend geklärt waren.
Was wir aus der Haussuche gelernt haben
- Möglichst viele Häuser ansehen und den Markt über längere Zeit beobachten.
- Nicht nur Quadratmeter vergleichen, sondern nutzbare, abgeschlossene Räume.
- Lage, Mikroklima, Schul- und Arbeitswege sowie Strandentfernung gemeinsam bewerten.
- Feuchtigkeit, Dach, Holzbauteile, Elektrik und mögliche Termitenschäden genau prüfen.
- Bei Anbauten und Nebengebäuden klären, ob sie genehmigt und rechtmäßig nutzbar sind.
- Neben dem Kaufpreis auch taxe foncière, Unterhalt und absehbare Umbauten berücksichtigen.
- Nicht das größte Haus suchen, sondern das, das zum eigenen Alltag und Budget passt.
Die Haussuche im Video
Im Video zeigen wir unser neues Zuhause und erzählen, warum dieses Grundstück schließlich zu unserem Leben auf La Réunion passte.