Von kurzen Wegen zu Wasserfällen bis zu mehrtägigen Touren durch Mafate: Die Insel bietet Wanderungen für sehr unterschiedliche Ansprüche.
Stand: 19. Oktober 2026
Von Frank Knabe · persönliche Erfahrungen auf La Réunion
Für fast jedes Niveau etwas dabei
Von kurzen Wegen zu Wasserfällen bis zu anspruchsvollen Bergtouren: Auf La Réunion findet man Wanderungen für sehr unterschiedliche Ansprüche. Wir haben viele Ausflüge auch mit unseren Kindern unternommen. Häufig sind die Wege gut ausgeschildert, und schon kurze Strecken führen zu beeindruckenden Naturerlebnissen.
Gleichzeitig begegnen uns immer wieder ältere Wanderer, die gemütliche Tagesausflüge oder sogar Mehrtagestouren unternehmen. Entscheidend ist, eine Strecke zu wählen, die zur eigenen Kondition passt – denn steile Anstiege und wiederholte Abstiege können auch eine kurze Wanderung anstrengend machen.
Vom Vulkan bis zum Wanderurlaub quer über die Insel
Was uns am Wandern auf La Réunion besonders begeistert, sind die landschaftlichen Wechsel: Baumfarne und tropische Wälder, Wasserfälle und tiefe Schluchten, weite Ausblicke und die karge Vulkanlandschaft am Piton de la Fournaise. Manchmal verändert sich die Umgebung innerhalb weniger Kilometer völlig.
Wer mehrere Tage unterwegs sein möchte, kann von Ort zu Ort und durch die Talkessel der Insel wandern. Wir haben selbst eine viertägige Tour durch Mafate unternommen und in Gîtes übernachtet – einfachen Unterkünften mit Abendessen und Frühstück nach vorheriger Reservierung. Besonders in Erinnerung geblieben ist uns die Ruhe: keine Straßen, kein Autoverkehr, dafür steile Berghänge, kleine Siedlungen und viel Natur.
Unsere Wanderungen auf La Réunion
Die folgenden Wanderungen haben wir selbst unternommen und gefilmt. Hier findet ihr unsere persönlichen Erlebnisse und das passende Video zu jeder Tour.
Streckenangaben stammen, soweit vorhanden, aus unseren Aufzeichnungen oder aus ausdrücklich genannten Routenbeschreibungen und Infotafeln. Unsere Erlebnisse beschreiben den jeweiligen Wandertag; Wegzustände und Zugänglichkeit können sich seitdem verändert haben.
Vom Maïdo zum Grand Bénare: 17 Kilometer und ein Wetterumschwung
Vom Parkplatz am Maïdo auf rund 2.200 Metern führt uns diese Wanderung hinauf zum Grand Bénare auf 2.898 Meter. Unsere aufgezeichnete Gesamtstrecke beträgt rund 17 Kilometer. Anfangs wirkt der Weg noch überraschend machbar, doch der Aufstieg zieht sich über Stunden.
Unterwegs erleben wir weite Ausblicke und beobachten Gleitschirmflieger über dem Grand Bénare. An einer Biosicherheitsstation reinigen wir unsere Schuhe: Damit sollen möglichst keine Samen invasiver Pflanzen in empfindliche Naturbereiche weitergetragen werden.
Kurz vor dem Ziel verändert sich das Wetter. Der Gipfel liegt im Nebel, und beim Abstieg kommt Regen dazu. Neben der Landschaft und der körperlichen Anstrengung bleibt uns ein besonderer Moment gegenseitiger Hilfe in Erinnerung.
Piton de la Fournaise: Übernachten in der Plaine des Sables
Diese Tour beginnt für uns bereits am Vorabend. Wir übernachten auf rund 2.100 Metern in der Plaine des Sables, umgeben von der eindrucksvollen Vulkanlandschaft. Am nächsten Morgen machen wir uns zur Wanderung auf den Piton de la Fournaise auf.
Acht Monate nach unserer Ankunft auf La Réunion kehren wir damit an einen Ort zurück, der uns schon beim ersten Besuch begeistert hat. Die karge Landschaft, die Übernachtung in der Höhe und die anschließende Wanderung machen diesen Ausflug für uns besonders.
Plaine d’Affouches: Vier Stunden Wandern vor der Arbeit
Mit Janick bin ich auf der Plaine d’Affouches im Norden von La Réunion unterwegs. Unsere rund 14 Kilometer lange Tour führt uns entlang der Ravine Saint-Denis durch dichten Wald bis auf ungefähr 1.150 Meter Höhe. Steile Passagen bringen mich ordentlich außer Atem, während Janick, „die Maschine“, scheinbar unermüdlich weiterläuft.
Zwischen Baumfarnen, Palmen und Picknickplätzen öffnen sich immer wieder Ausblicke zur Küste, unter anderem Richtung Le Port und La Possession. Bei unserer Wanderung sind die Folgen von Zyklon Garance noch deutlich sichtbar: Erdrutsche, weggebrochene Stellen und damals gesperrte Verbindungen prägen Teile der Landschaft.
Nach 4 Stunden und 10 Minuten sind wir zurück. Für mich geht es anschließend noch an den Schreibtisch. Sogar eine kurze Videokonferenz war unterwegs möglich – an diesem Tag funktionierte die Mobilfunkverbindung dort problemlos.
Grande Chaloupe und Chemin des Anglais: 20 Kilometer mit Janick
Auf dieser rund 20 Kilometer langen Wanderung erreichen Janick und ich die Grande Chaloupe. Wir kommen am historischen Lazaret vorbei, sehen Spuren der alten Eisenbahngeschichte La Réunions und gehen schließlich über den Chemin des Anglais zurück Richtung La Montagne.
Für mich wird die Tour auch zu einer sportlichen Herausforderung. Schon beim ersten Pulsvergleich zeigt sich unser unterschiedliches Tempo: Janick liegt bei 83, ich bei 160. Später wartet er entspannt auf mich – und auf den letzten Kilometern hat er sogar noch Energie zum Joggen.
Die Wanderung verbindet Landschaft, Inselgeschichte und unsere ganz persönliche Art, gemeinsam unterwegs zu sein.
Zum Dolomieu-Krater: Nächtliche Anreise von Saint-Pierre
Mitten in der Nacht fahren wir von Saint-Pierre zum Piton de la Fournaise. Am Parkplatz Pas de Bellecombe-Jacob beginnt unsere Wanderung: zunächst hinunter ins Enclos Fouqué, vorbei am kleinen Vulkankegel Formica Léo und anschließend durch die Vulkanlandschaft hinauf zum Aussichtspunkt am Dolomieu-Krater.
Unterwegs blicken wir bis zum Meer. Als wir uns bereits zur verdienten Pause niederlassen wollen, wird klar: Zum eigentlichen Ziel geht es noch weiter. Der zusätzliche Weg lohnt sich, verlängert aber auch den Rückweg.
Der Aussichtspunkt liegt auf rund 2.480 Metern. Offizielle Beschreibungen geben für die Standardroute etwa zwölf bis dreizehn Kilometer hin und zurück an. Wir sind an diesem Tag von 6:20 Uhr bis ungefähr 12:45 Uhr unterwegs. Besonders die Abstiege machen meinen Knien zu schaffen; am Ende wartet noch einmal der Aufstieg aus dem Enclos zurück zum Parkplatz.
Pic Adam: Rundwanderung durch Baumfarne und Cryptomeria-Wald
Von Bois de Nèfles oberhalb von Saint-Denis sind Janick und ich auf der „Boucle du Pic Adam“ unterwegs. Die Infotafel beschreibt die Runde mit 7,5 Kilometern, jeweils rund 500 Höhenmetern im Auf- und Abstieg und einer Gehzeit von etwa 2 Stunden 45 Minuten ohne Pausen. Sie ist als mittelschwer eingestuft.
Für mich ist der Anstieg nach einer längeren Wanderpause deutlich anstrengender als erhofft. Dafür erleben wir eine abwechslungsreiche Landschaft: Nebel zieht durch die Höhen, zwischendurch öffnet sich der Blick Richtung Sainte-Marie, und unterwegs entdecken wir einen kleinen Wasserfall.
Besonders begeistern mich die Baumfarne und die dichten Cryptomeria-Bestände. Manche Waldabschnitte wirken auf mich wie eine Kulisse aus Jurassic Park. Genau diese Wechsel zwischen Aussicht, Nebel und üppiger Vegetation machen die Tour für uns besonders.
Bélouve und Bébour: Waldwanderung während unserer Fastenzeit
Während eines Wochenendes im Januar 2025 sind Sylvia und ich in den Wäldern von Bélouve und Bébour unterwegs. Wir befinden uns bereits am elften beziehungsweise zwölften Tag unserer jährlichen Fastenzeit und wollen eigentlich nur kleinere Wanderungen unternehmen.
Am Gîte de Bélouve orientieren wir uns an der ausgeschilderten Route zum Col de Bébour durch die Wälder von Bélouve und Bébour. Die angelegten Wege, hohen Bäume und Tamarindenbestände beeindrucken uns. Unterwegs erleben wir außerdem einen Wasserfallausblick in eine tiefe, dicht bewachsene Schlucht, bevor Nebel aufzieht.
Die wiederholten Auf- und Abstiege fordern mich an diesem Tag deutlich stärker als erwartet. Aus dem geplanten gemütlichen Ausflug wird deshalb auch eine persönliche Erfahrung darüber, wie unterschiedlich sich eine Wanderung je nach Tagesform anfühlen kann.
In unserer Wander-Playlist zeigen wir viele dieser Touren, Landschaften und Eindrücke aus eigener Erfahrung – von kurzen Ausflügen bis zu längeren Wanderungen und Trekkingtouren.